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Gläserne Molkerei Münchehofe
Bio-Milch mit Durchblick

Unerwartet anders zeigt sich der solitäre Neubau der „Gläsernen Molkerei“ in Münchehofe. In dem eher beschaulichen Spreewaldörtchen war bis zur Eröffnung der neuen Bio-Molkerei und –Käserei hier die Hofmolkerei Münchehofe angesiedelt. Eine Ausweitung der Kapazitäten machte einen Neu- bzw. Umbau der vorhandenen Produktion notwendig. Hierzu hatte der Bauherr 2006 eigens einen Architekturwettbewerb ausgelobt, an dem sich sieben Architekturbüros beteiligten. Kernaufgabe war der Ausbau des bestehenden Molkereibetriebes unter Beibehaltung der Produktion sowie der Neubau einer Käserei. Zugleich sollte der gesamte Betrieb als „gläserne“ Molkerei und Käserei konzipiert werden, um Besuchern Einblick in die Herstellung von Milchprodukten insbesondere von Käse zu geben. Weiterhin umfasste die Neuplanung Sozialräume, Büros sowie einen Besucherraum. Ausschlaggebende Gründe der Jury für den mit dem 1. Preis prämierten Netwurf waren die besonders gute Verbindung zwischen technischen Anforderungen an eine moderne Molkerei und Käserei mit den gewünschten Schau-Elementen und die Einbindung des Baukörpers in die Umgebung und Struktur des Ortes Münchehofe.

BauherrGläserne Molkerei GmbH
Wettbewerb1. Preis
Planung und Realisierung 2008 - 2009
BGF / BRI5.800 m² / 28.000 m³

Für die Architekten selbst standen fünf Leitgedanken im Vordergrund ihrer Planungen:
1. Organisation des vielschichtigen Raumprogramms zu einem Gebäude mit höchster Funktionalität.
2. Attraktive Räume für Besucher und Mitarbeiter.
3. Homogene Einbindung des Baukörpers in Ortsbild und Landschaft.
4. Energieeffiziente, Kosten und Ressourcen schonende Bauweise und späterer Betrieb.
5. Unterstützung der Glaubwürdigkeit des Unternehmens durch größtmögliche Transparenz.

Im Ergebnis entstand ein kompakter, zweigeschossiger Baukörper, der sich mit seiner langgestreckten Baumasse ideal in das ortstypische Bild von länglichen Flurstücken und Bebauungen in Nord-Südrichtung einfügt. Zugleich stellt der Neubau aufgrund seiner charakterstarken Gestaltung und Lage am Übergang von Ortsrand und Landschaftsschutzgebiet einen markanten Solitärbau dar. Mit seinen großflächigen Einschnitten und der „natürlichen“ Holzfassade aus Lärchenholz-Lamellen korrespondiert der Neubau positiv zur Maßstäblichkeit des Ortes und mindert die Erscheinungsgröße.

Mit seiner sehr kompakten Bauweise konnte der auch produktionsbedingten Forderung nach kurzen Wegen Rechnung getragen werden. Milchtanks, Milchverarbeitung und abfüllung sowie Käseproduktion und Käsekeller zur Lagerung sind nebeneinander angeordnet. Sie bilden die Grundlage für eine optimale Qualitätssicherung. Die Gebäudetechnik liegt zentral im Obergeschoss.

Als Besucherrundgang führt ein eigenständiger Weg der Länge nach durch den Neubau. Er ermöglicht dabei vom Obergeschoss aus über verglaste Bereiche Einblicke in die Büros und nachfolgend in die einzelnen Produktions- und Lagerräume der Molkerei und Käserei. Am Ende des Gebäudes mündet er in den großzügigen Besucherraum, an den sich im Außenbereich eine Loggia anschließt. Sie bildet den räumlichen und optischen Übergang zu den umliegenden Wiesen und Weiden.

Konstruktiv wurde der Neubau aus Streifen- und Einzelfundamenten sowie tragenden und aussteifenden Wänden aus Stahlbeton erstellt. Diese wurden mit einer darüber angeordneten Hallenkonstruktion aus KVH-Stützen und gestoßenen Dachbindern mit einer Spannweite von fast 33 m überbaut. Vorgefertigte Holzrahmenelemente mit gedämmten GFK-Wandpaneelen und außen liegenden Lärchenholz-Lamellen bilden die Fassadenkonstruktion.

Auf dem verdichteten Erdboden liegt ein wärmegedämmter Industrieboden, der zusätzlich mit einem antimikrobiellen und homogenen Oberbelag versiegelt wurde. Hinter der Fassaden- und Dachkonstruktion werden die einzelnen Produktionsräume und Reifekeller aus selbsttragenden gedämmten GFK-Sandwichwand und -deckenpaneelen gebildet. Zugleich verhindern sie sowohl Wärmeeinträge als auch -verluste in den Produktions- und Lagerräumen.

Der erforderliche Energieaufwand für die Erzeugung von Kälte und Wärme wird durch neueste, optimal aufeinander abgestimmte Anlagen optimiert. Überschüssige Wärme beheizt zugleich Nebenräume. Bei der Kälteerzeugung wurde auf eine energetisch effektivere Ammoniakanlage gesetzt. Ein eigener Brunnen in Kombination mit einer neuen Kläranlage sorgt für einen kontrollierten Wasserkreislauf. Auch das Dach wurde bereits konstruktiv so angelegt, dass hierauf zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Photovoltaik-Anlage installiert werden kann.

Rund 35 Mio Liter Bio-Rohmilch aus dem Raum Spreewald werden jährlich in der neu erbauten Gläsernen Molkerei weiterverarbeitet. Neben Bio-Milch für namhafte Lebensmittelmärkte stellt die Käserei eigene Käsesorten unter der Marke “Mönchshofer” her. Im Reifekeller ist für bis zu 35.000 Käselaibe Platz. Neben der wirtschaftlich orientierten Produktion von Frischmilch und Molkereiprodukten bietet die Gläserne Molkerei täglich Führungen durch die Produktion an. Dieser besondere Wunsch, dem auch durch die transparente Architektur Rechnung getragen wurde, dient vor allem dem hohen Anspruch und der Glaubwürdigkeit.

So vermittelt die verglaste Fassade des Foyers auf der Südseite eine einladende Geste an alle Besucher. Neben der gläsernen Galerie ist die Transparenz aber auch für die Mitarbeiter erlebbar. Insbesondere die Oberlichter an den Längsseiten des Gebäudes vermitteln auch den Mitarbeitern ein hohes Maß an Offenheit und sorgen zugleich für ausreichend Tageslicht in den Betriebsräumen. Die unbehandelten und fein gehobelten Lärchenholz-Lamellen umhüllen den Baukörper geradezu natürlich und binden die Gläserne Molkerei harmonisch in die ländliche Umgebung ein.

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