Unser Entwurf für die neue Residenz der Deutschen Botschaft in Israel wird von 3 Leitideen getragen. Erstens stellen wir uns aufgrund der üppigen Vegetation auf dem Grundstück eine israelische Version des deutschen Traums von einem „Haus im Grünen“ vor. Das satte Grün des Gartens umgibt nicht nur die Residenz auf 4 Seiten, sondern durchdringt gleichzeitig das Gebäude mit begrünten Dachterrassen und Dachflächen.
Zweitens spiegelt das Haus in seiner offenen wie differenzierter Grundrissstruktur die freiheitliche, demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wider, die u.a. von Meinungsfreiheit und -vielfalt, von Multikulturalität und Zukunftsoffenheit getragen wird. Alle repräsentativen Räume gehen diesen Idealen entsprechend fließend ineinander über und orientieren sich gleichzeitig zum Grün des Gartens hin. Zudem werden symmetrische Ordnungen und hierarchische Raumfolgen bewusst vermieden.
Und zuletzt findet die politische und baukulturelle Haltung der Bundesrepublik mit Blick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit Ausdruck in unserem Gebäudekonzept, welches Low Tech mit einer äußerst ressourcenschonenden Wahl von Konstruktion und Materialien verbindet.
| Wettbewerb | Anerkennung |
| Zeichnungen | LKK |
In der Fassadengestaltung unseres Entwurfes greifen wir den Dialog der Grundrissstruktur zwischen Offenheit und Halt gebenden Wandscheiben auf. Raumhohe Fensterelemente hinter feststehenden Verschattungselementen bzw. Lichtfiltern aus Eichenprofilen wechseln sich ab mit weiß lasierten Sichtbeton Wänden (Eingangs- und Obergeschoss), sowie mit natursteinverkleideten Außenwänden (Gartengeschoss). Die formale Ordnung der Elemente ist dabei vertikal vor den horizontal angelegten Öffnungen.
Der aus dem großen Empfangsraum einsehbare Garten wird von einem vegetativen Rahmen aus Gehölzen und hohen Bäumen umfasst. Dadurch soll die bereits vorhandene Qualität gestärkt werden. Die Vielzahl verschiedener Grün- und anderer Farbtöne, Blatt- und Stammstrukturen, Schatten und Licht wird durch pflanzliche „Begleiter“ weiter verdichtet und mithilfe von visuell anregenden Solitären akzentuiert.
Begleitet von diesem pflanzlichen Rahmen führt eine 3-teilige Terrasse vom Innen- in den Außenraum. Die Terrassen als Orte am Weg bieten eine weitere Möglichkeit zum Austausch abseits des großen Empfangsbereichs. Höhengestaffelte Pflanzflächen- und Aufenthaltszonen, Stützmauern, Stufen, Möblierung, Materialwahl, Beleuchtung und vor allem die, die Terrassen umgebenden, ergänzenden, überspannenden Pflanzen und Baumkronen verbinden den Hauptempfangsraum und den Garten. So kann der Außenraum zu einer weiteren Ebene des Gebäudes werden.
Gartengeschoss
Der Shelter befindet sich im Gartengeschoss und ist als Fitnessraum ausgestattet. Den dritten Nebenempfangsraum, das Lesezimmer mit Bibliothek, haben wir mit vorgelagerter, überdeckter Terrasse im Gartengeschoss vorgesehen.
Erdgeschoss
Die fließende, offene Raumstruktur wird durch ein spannungsvolles Verhältnis zwischen Wandscheiben und eingestellten Körpern gebildet. Gezielte Ausblicke in den Garten bzw. Einblicke in angrenzende Räume wechseln sich ab mit Halt gebenden Wänden. Die Bereiche des ATRs und des PTRs sind zwar als eigenständige, aufeinandergeschichtete Volumen ablesbar, zugleich verschmelzen sie durch die gemeinsame Materialität und Plastizität zu einem Haus. Lediglich der Empfangsraum sticht durch seine Höhe auf der Gartenseite hervor. Der Zugang zum ATR der Residenz erfolgt von der Straße aus durch die Vorgartenzone (umgesetzter Olivenbaum) in die zentrale Eingangshalle. Zur Linken befinden sich der Hauptempfangsraum und zwei en Suite anschließende Nebenempfangsräume und das Speisezimmer. Sie öffnen sich großzügig sowohl zum Garten bzw. zum Vorgarten hin. Zur Rechten der Eingangshalle befinden sich die Garderobe und die Powder Rooms. Eine offene Treppe führt aus der Eingangshalle hinunter in das Gartengeschoss und den Garten. Der überdachte Innenhof des Treppenraums zum PTR sorgt für den Einfall von Tageslicht in die Eingangshalle.
Obergeschoss
Eine Treppe in einem überdachten Innenhof führt aus dem Erdgeschoss in den PTR im Obergeschoss. Auf dessen Westseite zum Garten hin befinden sich die privaten Wohnräume. Auf der Ostseite zur Straße hin liegen die Räume des privaten Gastes und des Angestellten. Eine Servicetreppe innerhalb des Bewirtschaftungsbereiches verbindet die 3 Geschosse der Residenz miteinander. Das Schlafzimmer der Eltern wird als Refugium gestaltet.
Zur deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstosses schlagen wir als Material für die Außenwände einen Leichtbeton in Sichtbetonqualität vor. Das statische Konzept lässt überwiegend eine Reduzierung der Rohdichte des Leichtbetons auf bis zu 700kg/m³ und somit eine monolithische Bauweise zu, welche bei der vorgesehenen Wandstärke von d=50cm einen U-Wert von 0,30 bis 0,55 W/(m²K) erzielt. Neben den Vorteilen der monolithische Bauweise mit stark vereinfachten Anschlüssen und Detailausbildungen gegenüber einer mehrschaligen Außenwand, ist der Baustoff nicht nur zu 100% recycelbar, sondern erzeugt nur ca. 20% des CO2-Ausstosses einer konventionellen Beton-Außenwand. Grund dafür ist der Einsatz von CEM III/B und die Rück-Aufnahmefähigkeit von ca. 80% des bei der Produktion emittierten CO2 aus der Atmosphäre über einen Zeitraum von 50 Jahren. Das Material ist langlebig, pflegeleicht und bietet zudem einen hervorragenden sommerlichen wie winterlichen Wärmeschutz. Mit entsprechend Zuschlagsstoffen wird eine Grundhelligkeit des Sichtbetons angestrebt, die durch eine weiße Lasur zusätzlich verstärkt wird.
Alle Decken und tragenden Bauteile im Inneren des Gebäudes bestehen aus Recyclingbeton. Die nichttragenden Trennwände werden aus Lehmsteinen (AKII) errichtet. Alle Wand- und Deckenoberflächen erhalten einen Lehmputz. Lediglich in den Empfangsräumen und dem Speiseraum des ATR ist eine monolithische Kühldecke (siehe Haustechnik und Energiekonzept) vorgesehen.
Alle Böden, auch die der Sanitärräume und Hauswirtschaftsräume, werden mit dem Feinsteinzeug „Jerusalem Stone“ belegt. Es wird aus echtem Natursteinpulver gewonnen, ist sehr robust, pflegeleicht und optisch nicht vom Naturstein zu unterscheiden. Dank seiner einzigartigen Eigenschaften ist dieses Material auch speziell im Nassbereich und im Außenbereich anwendbar und 100% recycelbar.Der Shelter befindet sich im Gartengeschoss und ist als Fitnessraum ausgestattet. Den dritten Nebenempfangsraum, das Lesezimmer mit Bibliothek, haben wir mit vorgelagerter, überdeckter Terrasse im Gartengeschoss vorgesehen.






